Das Wort für heute: Treibholz

22. September 2009

Treibholz, das.

Wir hatten gerade abgelegt, ein paar Segel schon oben, beschäftigt mit All-Hands-Manövern, als der Funkverkehr eines passierenden Containerriesen mithören ließ: „Wahrschau, Treibholz backbord querab. Pass auf, dass du es nicht in die Schraube bekommst!“

Was, wir Treibholz? Unsere stolze Amphitrite? Unser Dreimaster, 44 m Länge über alles! Einst, als sie noch Rennen segelte mit ihren 1300 Quadratmetern Segelfläche, dem weit übers Heck hinausragenden Baum am Großmast, einer der elegantesten Segler der nördlichen Hemisphäre! Von Beken of Cowes fotografiert! Unsere alte Lady aus Gosport – und wir mit ihr, Treibholz?

Helle Aufregung an Bord, Empörung, bis schließlich deutlich wurde: Nein, er hatte nicht uns gemeint, der Mann in der Brückennock, es schwamm wirklich ein mittlerer Balken als Treibholz durch den Rostocker Hafen. Aufatmen. Noch einmal davongekommen.

Denn: Wann überhaupt, wenn nicht in so einem Moment, wäre der Fehdehandschuh das Mittel der Wahl gewesen?

Amphitrite: zweijährigAmphitrite 1889, zweijährig_

Amphi mit Stagsegeln
Amphitrite, weit über hundertjährig

(Fotos: in die Clipper-Fotogallery eingestellt von Günther Benth)

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24 Responses to “Das Wort für heute: Treibholz”

  1. kormoranflug Says:

    Die nachträglichen schrecklichen Kabinenaufbauten sollte man schnellstens absägen und Treibholz daraus machen.

  2. Afra Evenaar Says:

    Vor allem sollte man ihr den Rumpf wieder weiß malen.
    Trotzdem: ganz schön gemein, Herr Kormoran.

  3. vilmoskörte Says:

    Ja, mit weißem Rumpf sieht man das Holz nicht so direkt, und Treibeisen wäre ein ganz neues Wort.

  4. lakritze Says:

    Treibeisen? Das ist vermutlich das einzige Material, mit dem man (entsprechend angewärmt) im winterlichen Eismeer segeln kann. Oder irre ich mich, und es ist ein Küchengerät?

    Jedenfalls: wunderschön, die Meeresgöttin. Jede Fehde wert.

    Und aus Nostalgiegründen:
    http://www.youtube.com/watch?v=mWUD_r6E4U8

  5. joulupukki Says:

    oh, WOW! Schööön! Neid! Staun! Auch will!

  6. 6kraska6 Says:

    Was für eine Pracht, noch immer, die Grand Old Lady …


  7. der bass der steyrerr tanzlmusi, wolfgang fuchs, http://www.youtube.com/watch?v=nInxAQW3hrA macht lampen und andere objekte aus treibholz aus der enns.. ja.

  8. Cedi Says:

    Ganz ehrlich: ich finde den über 120 Jahre alten Segler wesentlich schöner, geradezu majestätisch. Der Moderne sieht nur „stylisch“ aus. Aber ich hab ja auch keine Ahnung.

  9. stroheim Says:

    Eine ganz eigene Qualität haben Deine Tags. Selten erschließen sie sich mir spontan, manchmal auch gar nicht. Dass Gosport kein Brettspiel ist, sondern ein Ort bei Portsmouth, habe ich ja noch raus bekommen. Was aber sollen die verrückten Kühe? Haben sie sich versucht auf ein Stück Treibholz zu retten? Wie passt der Mississippi dazu? Was mag ein Rufzeichen djrt sein? Wie spricht man das überhaupt aus???

    • Afra Evenaar Says:

      Lieber Stroheim, wie meine Texte im Idealfall (deine ja schließlich auch) auf verschiedenen Ebenen funktionieren, haben auch meine Tags verschiedene Ebenen, die manchmal vielleicht unzulässig (gelobtes Denglisch!) insiderisch sind.

      Und manchmal kann ich nicht umhin, etwas hineinzuschmuggeln, das gar nichts mit dem Rest zu tun hat: Ein T-Shirt mit besagten Mad cow(e)s habe ich zu BSE-Hochzeiten im Hafen von Cowes auf der Isle of Wight erworben, wobei Cowes immerhin im vorletzten Jahrhundert vorübergehend Amphis Heimathafen war.

      Gosport hat tatsächlich keine zweite Bedeutung, die es in die Brettspielundsportsphäre verweisen könnte. Mississippi heißt (warum auch immer) die Heimat der Clipperschiffe in Hamburg-Harburg, am Überwinterungshafen gelegen, zwischen einer Schiffseichanstalt und der Wasserschutzpolizei, an deren Kai das Greenpeace-Schiff Beluga zuweilen an der Kette liegt.

      Zum Rufzeichen schließlich: Die Amphitrite ist ein ordentliches Schiff und im Seeschiffsregister eingetragen. Da sie auch eine „Seefunkstelle“ an Bord betreibt, hat sie vom Registergericht ein vierbuchstabiges „Unterscheidungssignal“ bekommen, und das ist das Rufzeichen. Im Seefunk wird neben dem Schiffsnamen auch immer das Rufzeichen genannt.

      Das wolltest du bestimmt alles gar nicht wissen.

    • stroheim Says:

      Doch, wollte ich. Vielen Dank, sagt da die Landratte.

  10. oachkatz Says:

    Das sieht aus wie Abenteuer.

  11. ottogang Says:

    Da kommen heimatliche Gefühle hoch.
    Vor allem über „mein Wahrschau“ in Deinem Text.
    Ach ja.

  12. kormoranflug Says:

    Mir treibt es das Wasser in das Holzauge. Jedenfalls sind die Schiffe schön…..

  13. Badbury Says:

    Welch schöner Gaffelschoner!

    Der maritime Brite unterscheidet Treibgut übrigens in flotsam und jetsam, das letztere ist Gut bzw. Ballast, der über Bord geworfen wurde, und flotsam ist Treibgut, das nicht absichtlich im Meer dümpelt. Es gibt auch viele schnucklige insulare Trödelgeschäfte, die so heißen. Dachte, ich gebe mal mit meinem nautischen Wissen an.


  14. […] Wilhelm Kaisen aus, um einem Hilferuf der (euch, liebe Leser, inzwischen allseits bekannten) Amphitrite zu folgen. Helene, das Tochterboot der Wilhelm Kaisen, ging längsseits und barg einen nach einem […]


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