Die 32-Zentimeter-Klasse

21. März 2010

Auch HELdfEN verwenden zuweilen Jute statt Plastik. Und sind sich nicht zu gut für die 32-Zentimeter-Klasse.

„Butter bei die Fischlein, Mäuse in die Rettungsschifflein!“

© Tim Mälzer / DGzRS

So oder zumindest so ähnlich hat es Tim Mälzer ausgedrückt. So ähnlich, weil er seine Botschaft zur Hälfte als Zeichnung äußerte. Das lässt sich leicht lesen, so oder so, und die Mäuse steuere ich bei. Und warum Tim Mälzer? Weil Hamburgs Lieblingssohn Jan Fedder ihn als DGzRS-Bootschafter 2010 vorgeschlagen hat.

So ein Rettungsschiffchen kann jeder aufstellen, der über einen öffentlich zugänglichen Ort gebietet. Eine kleine Anfrage genügt, und schon ist die kleinste Bootsklasse der Seenotretter gechartert. Im letzten Jahr wurde annähernd eine Million Euro in die 32-Zentimeter-Klasse investiert. Von unbekannt. Zum Glück. Denn die DGzRS braucht jede Unterstützung. Das geht natürlich auf vielerlei Wegen. Beliebt ist zum Beispiel auch das Vererben größerer Vermögen, was dann allerdings zeitversetzt und im Allgemeinen nicht anonym vonstatten geht.

Mein Kerl ist übrigens Fördermitglied geworden, als ich heil von einem Törn im englischen Kanal zurückkam, der der Crew so ziemlich alles abverlangt hatte, während er zu Hause saß, besorgt die Wetterberichte verfolgte und sich damit tröstete, dass es Seenotretter gibt.

Auch wenn sie manchmal unter dem Ansturm der Elemente fast verschwinden. Umso tröstlicher ihr Claim: „Hauptsache, wir finden Sie“.

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Tochterboot, das.

Das Tochterboot braucht einen neuen Typ. Das hat die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger festgestellt. Ob es auch einen will, wurde es nicht gefragt. Auf jeden Fall bekommt es einen und auf jeden Fall einen Selbstaufrichter. Der wird aber erst noch getestet, im schottischen Sommer.

Woher ich das weiß? Gestern lag das DGzRS-Jahrbuch 2010 im Briefkasten. Dazu muss ich sagen, das Jahrbuch 2010 ist ein Buch, in dem das Jahr 2009 verzeichnet ist – mit all den Einsätzen der Seenotrettungskreuzer und ihrer Tochterboote. Zum Beispiel lief am 2. Juni 2009 die Sassnitzer Wilhelm Kaisen aus, um einem Hilferuf der (euch, liebe Leser, inzwischen allseits bekannten) Amphitrite zu folgen. Helene, das Tochterboot der Wilhelm Kaisen, ging längsseits und barg einen nach einem Sturz schwerverletzten Segler ab.


Amphitrite ruft, Helene hilft. © DGzRS

Sie heißen Erika, Margarethe, Verena, Elsa, Adele, Emmi oder auch schon mal Biene oder Butscher oder Vegesack. Sie reisen im Bauch ihres Mutterschiffs und werden ausgespuckt, wenn es hart auf hart kommt.

Wenn die Brandungszone im Seegatt zwischen zwei ostfriesischen Inseln zum Hexenkessel wird oder Regenfronten über die Ostsee ziehen, wenn Windsee und Dünung gegeneinanderlaufen und Kreuzseen aufwerfen, wenn sich meterhohe Wellen über einem Flach brechen und auflandiger Wind mit Legerwall droht, wenn ein Schiffbrüchiger in der kalten See treibt und die Nacht hereinbricht, wenn die Maschine ausfällt, der Mast bricht, eine See einsteigt, wenn alle außer den Ratten das sinkende Schiff verlassen, wenn die Handbreit Wasser unterm Kiel nur noch ein frommer Wunsch ist, wenn das Leck allen Bordmitteln trotzt oder der Sturm das Feuer anfacht … immer dann schlägt die Stunde der Seenotretter, der Freiwilligen mit ihren bärenstarken Schiffen und deren Tochterbooten.

Denn oft wären sie nichts ohne ihre Töchter, die Seenotkreuzer. Es bliebe nur, aus der Ferne zuzusehen, wie das Unheil seinen Lauf nimmt. Die Tochterboote aber, zierlich, wendig, stark, schnell und vor allem mit wenig Tiefgang, die können ran an den Speck.

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