Abernmauke, die

Häufig auch weniger abernteuerlich als Mauke bezeichnet, handelt es sich bei der Abernmauke um einen in der Oberlausitz beheimateten, etwas üppigeren Kartoffelbrei. Dank unerbittlicher wikipedianischer Aufklärungsbemühungen, in diesem Fall auf dem Gebiet des Kartoffelpürees und seiner Anverwandten, erfährt man ohne größere Rechercheanstrengungen, dass der Brei als Mauke neben Kartoffeln, Milch und Butter auch gebratenen Speck und Zwiebeln enthält.

Tritt die Mauke hingegen als Teichelmauke auf, werden die Kartoffeln mithilfe von Rinderbrühe statt Milch zu Brei geklopft, um anschließend mit einer Delle versehen zu werden, die, bestens zur Bildung eines Sees geeignet, mit einem Schlag Brühe beschöpft wird und in der Folge sowohl ihr Flüssigkeitshaltevermögen als auch ihre landschaftliche Anmut unter Beweis stellen kann.

Nachtrag: Dass sich das Wort Abern von Erdbirnen und nicht von Erdbeeren herleite, leuchtet der kritisch, zuweilen auch selbständig denkenden Autorin nicht ein, spricht man doch andernorts von Grumbeere, die man mir als Grundbeeren zu übersetzen wusste, und an wieder anderem Orte von Erdäpfeln – so dass sich der Einwand sogleich widerlegt zeigt, von Erdbeeren könne Abern nicht stammen, da Beeren sich besser in einem Obstsalat gefielen. Auch die den Erdapfel sprachlich konstituierenden Äpfel gefallen sich besser in einem Obstsalat. Außer im Rheinland.

Und Birnen schon gar.

Jüngst importierte rheinische Blutwurst (der Kerl nennt sie Flöns) harrte der Pfanne. Normalerweise gibt es die gebratene Blutwurst in diesem Haus mit Kartoffelpüree und rohen Zwiebeln (der Kerl nennt sie Öllek). Ich denke sofort an die Leningrad Cowboys, wie sie auf dem Weg nach Amerika halbverhungert in eine ganze Zwiebel beißen (müssen), in der Kartoffel-Zwiebel-Blutwurst-Dreifaltigkeit ist ihre Funktion jedoch eine andere. In Ringlein geschnitten ist sie ein geradezu notwendiger Counterpart zur Üppigkeit der beiden anderen Komponenten.

Aus Anlass der kulinarischen Reise durchs Rheinland, zu der Edekaner im Namen des Kochtopfblogs aufrief, soll die Blutwurst hier allerdings noch rheinischer auftreten, in Begleitung von Himmel un Ääd – und das, obwohl der Reiseleiter betont, dass die rheinische Küche noch anderes bereithält als die breitgetretenen Klassiker.

Die Erde zeigt sich als Brei:

Mehlige Kartoffeln (hier keine Afra) schälen, vierteln und in Salzwasser mit
einem Lorbeerblatt garkochen, abgießen und mit heißer Milch stampfen. Muskat dazu und ein gutes Stück Butter unterrühren.

Der Himmel ist bei mir kein Mus, sondern kommt in Form von Gewürzäpfeln ins Spiel.

Für das kleine Apfelragout
vier saure Äpfel schälen und in kleine Würfel schneiden, mit
einem Esslöffel Wasser,
einem Spritzer Zitrone,
einem Teelöffel Zucker,
einer Prise Salz,
einem Lorberblatt,
einem Thymianzweiglein,
Pimentkörnern,
Wacholderbeeren
Pfefferkörnern und, wer’s mag,
Korianderkörnern
kochen, bis sie weich sind, aber nicht zerfallen (ca. 10 Minuten).

Zwiebeln in Butter oder Butterschmalz nicht viel dunkler als blond rösten.

Einen halben Ring Blutwurst in dickere Scheiben schneiden und entweder mehlen oder auch nicht.

Von beiden Seiten in Butterschmalz braten, bis sie eine Kruste haben. (Normalerweise funktioniert das perfekt, diese Wurst aber war zu weich und hielt nicht gut zusammen.)

Himmel und Erde entweder vermengen oder in guter Nachbarschaft auf dem Teller plazieren, so kann jedeR nach eigenem Ermessen manschen. Mit der gebratenen Blutwurst und den gerösteten Zwiebeln krönen.

Blog-Event LXVI  - Eine kulinarische Reise durch das Rheinland (Einsendeschluss 15.04.2011)

_

%d Bloggern gefällt das: