Wackerstein, der

Wird aus der Grauwacke gewonnen, einem neben Phylliten, Quarziten, Porphyroiden, Schiefern und schwach metamorphem Kalkstein gebirgsbildenden Material der Grauwackenzone, wo sie, anders als anderswo, zweimal gefaltet wurde.

Mittelbar abgebildet im Bauch des Wolfs von den sieben Geißlein an der Fassade des Märchenhauses im Finsterwalder Dichterviertel, ehe selbiger in den Brunnen fällt.

Trackback, der/die/das; Geschlecht umstritten

1. Stellt Beziehungen her. Führt zu  Rückmeldungen. Nicht zu verwechseln mit Backtrack.

2. Samstagabendsendung auf Radio Fritz.  Zu Netzpolitik, Netzmusik und Netzdönekens.

Bei der Gelegenheit habe ich einen ungewöhnlichen Namen kennengelernt: Jonte. So heißt der Moderator von Radio Fritz, der mich für die Trackback-Rubrik Blogger privat interviewt hat.

Wenn man genau schaut, kann man hier (unter dem 8. Februar) den Podcast finden: http://trackback.fritz.deBlogger privat beginnt ca. 13 Minuten vor Schluss.

Eine Woche vorher wurde Joerg Utecht interviewt, der mich empfohlen hat. Danke, hat mich sehr gefreut. Nächsten Samstag wird es Lakritze sein oder Missboulette.

Wurstpumpe, die

zylindrisches Gerät mit prominenter Tülle, über die ein feiner Darm gestreift wird, der sich nach Betätigen der o.g. Wurstpumpe wie von selbst mit Wurstbrät füllt, unterstützt nur von der ordnenden Hand des Wursters. Wer selbst einmal versucht hat, Wurstbrät mithilfe mechanischer Vorrichtungen in Därme zu füllen, weiß, welche Tücken dem Objekt eignen und welcher Koordinationsleistungen es bedarf, um den Vorgang im Fluss zu halten.

(Kennengelernt habe ich die Wurstpumpe am 1. Februar 2014 in der Malzfabrik, der ehemaligen Schultheiss-Mälzerei, anlässlich einer von der Kitchen Guerilla veranstalteten Wurstgalerie. Bedient wurde sie daselbst von Peter Inhoven, einem begnadeten Düsseldorfer Bratwurster, dessen zärtlich über die werdenden Würste gleitende Hände sowohl live als auch auf die weiße Wand gebeamt und im Video zu bewundern waren.)

Eiaufschlagplatz, der

Jede Bäckerei hat einen. Zumindest jeder Kuchenbäcker. Für den Privathaushalt sind andere Eiaufschlaghygienemaßnahmen angezeigt.

 

(Den Eiaufschlagplatz hat vilmoskörte bei bakingsandra gefunden und mir geschenkt.)

Das Wort für heute: Elf

23. August 2013

Elf, die

1) von ahd. einlif: eins darüber, d. h. eins über zehn

2) hexadezimal B, oktal 13

3) findet in der 13 ihren Primzwilling

4) unteilbar, aber zählbar. Zehn davon laufen dem bewussten Ball hinterher. Beachte auch: Die Angst des Tormanns beim Elfmeter

5) im Osten yang, himmlisch, männlich, unveränderlich

6) im Westen sündhaft; steht für die Maßlosigkeit und die Übertretung, geht sie doch über die Zehn und damit die Zahl der Vollendung und des mosaischen Gesetzes hinaus

7) Kölner Zahl, einmal jährlich vervierfacht zum elften Elften, elf Uhr elf

Elf, der
Der Elf und seine weiblichen Artgenossen unterstehen einer manchmal zickigen, nicht mehr ganz jungen Königin: Titania.

Elf., der
Esslöffel. Pendant zu Tlf. = Teelöffel. Vorkommen ausschließlich in den großartigen Rezepten von lamiacucina und daselbst mit Inbrunst verteidigt.

Elph, der
Der Elph verbündet sich mit der Zwölf und tritt notabene als Philipp1112 auf.

Here endeth the lesson.

elf

Lieben Dank für das Foto an Vilmoskörte.

Kaffeeschalentee, der

rotgold schimmernder, aus den Schalen jemenitischer Kaffeebohnen gebrühter, mit Ingwer und Kardamom gewürzter Tee.

Der auch als Arme-Leute-Kaffee bekannte Kaffeebohnenschalentee heißt Qishr und ist unter dem Namen Hashara auch in Äthiopien bekannt. Die Schalenhüllen der Kaffeekirschen werden in der Sonne getrocknet, leicht geröstet, aufgebrüht und dürfen ziehen.

Ehe um die Wende zum 13. Jahrhundert im Kaffee-Mutterland Jemen das Rösten in Gebrauch kam, wurden die Kaffeekirschen auch zu Kaffeesaft vergoren.

Und wieder eine private Anmerkung: Als Herzenswunsch der Autorin, seit jeher in die raffiniert klimatisierten Lehm-und-Stroh-Wohntürme von Shibam verliebt, kristallisierte sich gestrigen Samstags heraus, den überaus köstlichen jemenitischen Kaffeebohnenschalentee statt in irgendeiner Botschaft dieser Welt einmal im Leben in Sana’a zu trinken (deren Große Moschee mit ihren bemalten Holzdecken von in diesem Gewerbe nicht gerade unerfahrenen venezianischen Fachleuten restauriert wird).

Tetraphobie, die

mehr als gebrochenes Verhältnis zur Vier. Mit „Vierfachphobie“ gründlich falsch übersetzt.

Die Tetraphobie ist im Kanon koreanischer Aberglaubenstopoi von einiger Bedeutung, bezeichnet doch 사 (sa) sowohl die Zahl und Ziffer 4 als auch den Tod. (In befremdlichem Widerspruch dazu gilt vom Tod zu träumen als gutes Omen.)

Die südkoreanische Eisenbahngesellschaft hegt in wiederum befremdlicher Inkonsequenz eine viertausender Lokomotivenreihe und zählt von 4441 aufwärts, scheut aber dann in nun konsequenter Umsetzung koreanischer Tetraphobie die vierfache Vier und springt von 4443 auf 4445.

Auch in Aufzügen wird die unheilverheißende 4 vermieden und meist durch ein F (für das englische four) ersetzt.

Brückengrün, das

angenehm heller Farbton aus dem Grünspektrum, soll Kupferpatina nachahmen und kommt ausschließlich als Kölner Brückengrün vor.

Das Kölner Brückengrün wird turnusmäßig alle 25 Jahre in Form von Lack als letzte Schicht auf die der Unterhaltung durch die Stadt überantworteten Kölner Rheinbrücken aufgetragen, um sie gesund zu erhalten. Darunter liegen u. a. Zinkstaub und Eisenglimmer in grau und rot, im Falle der Severinsbrücke insgesamt mindestens sieben Anstriche (nachzulesen in der Zeitschrift Brückenbau 4/2011 auf den Seiten 21 bis 25), ehe das Kölner Brückengrün als weithin leuchtende Deckschicht aufgebracht wird.

Im Bilderbuch Köln finden sich unzählige brückengrüne Brückenfotos, von oben, von unten, von rechtsvon linksvon vorne, von ferne, einmal schrägeinmal himmelstrebend und nochmal von rechts und nochmal von oben und nochmal von unten und nochmal von unteneinmal so und einmal so und nochmal anders …

(Für Eilige: Wer einmal im Bilderbuch Köln gelandet ist und nicht  zur Vergrößerung aufs Foto klickt, verpasst die ultimative Prachtentfaltung.)

Ein Besuch mit Besichtigung, Befahrung und, so weit möglich, Begehung der Kölner Brückenfamilie sei an dieser Stelle dringend empfohlen.

Bäckerlyrik, die

vorgeblicher Fachbegriff, tatsächlich despektierliche, im Geheimen auch schon mal liebevoll gemeinte Bezeichnung für ein Phänomen, das den zweifelhaften Ruf der BVG-Werbedichtung à la „Wurst und Senf in Bahn und Bus bringen oftmals viel Verdruss“, die spätestens in den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts in voller Blüte stand, wenn nicht begründete, so doch entscheidend mitprägte.

Nachdem sie in Form von Paechbrotsprüchen in den öffentlichen Verkehrsmitteln der Selbständigen politischen Einheit Westberlin einen rasanten Aufschwung erlebt hatte, omnipräsent, belächelt, verachtet, indes beim besten Willen nicht zu ignorieren, stattdessen den damaligen Bewohnern und Besuchern der Stadt unauslöschlich ins Gedächtnis gebrannt, wurde es in den 90er Jahren still um die Bäckerlyrik. Zusammen mit dem Untergang des Moabiter Paech-Brotimperiums ging sie den Weg alles Irdischen, und die Welt musste fortan auf Juwelen wie „Kuno sprach zu Kunigunde: Paechbrot ist in aller Munde“ verzichten.

Doch nun, Hurra, neues Jahrhundert, neues Glück. Es gibt sie wieder, die Bäckerlyrik. Wieder in Berlin, der inzwischen nicht mehr doppelten, sondern ganzen Stadt, wieder bei der BVG, sprich den Berliner Verkehrsbetrieben, diesmal statt in den seltener gewordenen Doppeldeckerbussen in der U-Bahn, wieder einem Brot gewidmet, einem aus dem Speckgürtel.

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Die neue Bäckerlyrik besingt das Falkenbrot, Flaggschiff des ursprünglich Westberliner, dann, nachwendig, in der Falkenseer Produktionsstätte eines ehemaligen Backkombinats heimisch gewordenen BioBackHauses Leib. Nein, nicht Laib, Leib.

Die mal mehr, mal weniger überzeugenden Elaborate der neuen Berliner Bäckerlyrik – wer Bäckerlyrik liebt, wird sie wohl alle lieben – fahren also seit knapp zwei Jahren U-Bahn und verkünden Dinge wie in etwa:

Ein Mann zur Liebsten sagte: Bleib!
Ich habe einen Falkenlaib.

Enthusiasten lassen sich zu Begeisterungsstürmen über das Wiederaufleben der Brotdichtung hinreißen, Skeptiker analysieren mit spitzer Feder und weisen auf unzählige grammatikalische und stilistische Mängel hin, viele schütteln einfach den Kopf.

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Es wird Ihnen, liebe Leser, trotz aller Bemühungen um Objektivität nicht verborgen geblieben sein, die Autorin gehört entschieden zu den Liebhabern und kann nicht umhin zu wiederholen: Ein Hoch auf die neue Berliner Bäckerlyrik! Möge ihr ein langes und fruchtbares Leben beschieden sein.

Noch eine kleine Anmerkung in eigener Sache sei gestattet: Natürlich weiß ich, Flaggschiffe entstammen Werften, und eine Werft bringt kein Brot hervor. Nur, wie sonst es nennen, das Flaggschiff eines Backwarenuniversums?

Sammelwörter, die

Sammelwörter sind Wörter, die sich zum Sammeln eignen oder die – als Sammelobjekte geeignet oder nicht – Wörtersammlern in die Hände gefallen, also gesammelt worden sind oder aber die – sie mögen sich noch so unauffällig im Sprachraum bewegen – Begehrlichkeiten von Sammlern auf sich ziehen. Das Sammelwort tritt wie die meisten Sammelobjekte mit Vorzug im Plural auf.

Einerseits sind Sammelwörter vergleichbar mit Sammeltassen: Sie werden ausgestellt, vorgeführt, hinter Glas in Vitrinen gehalten und oft selten benutzt. Andererseits sind sie, anders als Sammeltassen, nicht zum Sammeln hergestellt worden.

Sammelwörter können gewöhnlich, selten, eigen, in aller Munde, monosyllab, zusammengesetzt, einfach, kompliziert, schillernd, abgedroschen, unverständlich, viel oder selten gehört, im Aussterben begriffen oder einfach nur schön sein. Manchmal meint man sie zu kennen und stellt erstaunt fest, was sonst noch in ihnen steckt.

Oft kann das Sammelwort, einmal in eine Sammlung integriert, also musealisiert und aus seinem angestammten Gebrauch genommen, seine ursprüngliche Funktion nicht unbeschädigt beibehalten. Es kann vorkommen, dass ein Sprecher, der sich aus einer Sammelwörtersammlung bedient, stockt, will er eines von ihnen in den Mund nehmen, sich räuspert und es nicht mehr einfach so fallen lassen kann, wie es vor dieser fatalen Begegnung möglich gewesen wäre.

Die schönste Form von Wörtersammlungen findet sich neben der Sammelwörtersammlung nicht etwa in Thesauren, Lexika oder schnöden Wörterbüchern, sondern in liebevoll ausgestatteten Wortwunderkammern. Auch einzelne literarische Werke erfüllen den Anspruch exquisiter Wort- und Wörtersammlungen.

PS: Dieser Eintrag ist vorrangig all jenen gewidmet, die mit der Frage „Was sind Sammelwörter?“ auf mein Blog geraten sind und sich mangels Erklärung enttäuscht abgewandt haben.

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