Schnürlregen, der;  eine – weniger mentale denn verbale und emotionale – Herausforderung

Es gibt Gegenden auf diesem Planeten (dortselbst würden sie vielleicht eher Landstriche genannt, die Gegenden) – also, es gibt Gegenden auf diesem Planeten, in denen ist es nachts kälter als draußen. Warum? – Weil die Häuser im Freien stehn. Und, heißt einer Xaver oder Valentin in solchen Gegenden, wird er mit Vogel-F geschrieben und mit Fenster-V gesprochen. In diesen Gegenden ist die korrekte Bezeichnung für den gemeinen Landregen Schnürlregen.

Es gibt andere Gegenden auf diesem Planeten, da haben Schnürlregensozialisierte erwartungsgemäß keinerlei Probleme damit, einen Fluss wie die Havel mit dem auch hier angezeigten Fenster-V auszusprechen, müssen sich aber damit abfinden, dass es zuweilen ausdauernd Strippen regnet. Auch wird etwas, das in ersteren Landstrichen nicht minder geschätzt und stamperlweise zu einem Geselchten nebst Weizen getrunken wird, der Kümmel, beherzt in das ortsübliche feinperlige Weißbier gekippt und unter der Bezeichnung „Weiße mit Strippe“ auf den dann nicht Wirtshaustisch, sondern Tresen gestellt.

In einer anderen, für ihre weitgereisten Destillate berühmten Gegend (diese wiederum liegt auf flachem, salzwassergetränktem, noch jungem Land) wird Kümmel im oder zum Tee gereicht, wo er, aus Verschleierungsgründen oder nach ausgedehnterem Genuss, verbal zu …mehl verkümmert. In diesen Gegenden regnet es Bindfäden, und man spricht, wie in der schönsten Stadt der Welt (Selbstaussage) auch, von Schietwetter. An solches wird sich nicht nur, wer flache Landschaften mag, wohl eher gewöhnen als an den sprachlich deutlich anspruchsvolleren Schnürlregen, selbst wenn er sich vor Gebirgspanoramen ereignet.


%d Bloggern gefällt das: