Dreifisch, der

Sowohl als Einzelgänger als auch in Kleingruppen unterwegs (hier der Dreifisch zu viert), kommt er auch als Vierfisch oder, seltener, als Zweifisch vor, dann gelegentlich in Begleitung des Vierankers. Als Vierfisch lebt er besonders gefährlich, lockt er doch (verständlicherweise) den Kormoran auf den Plan, dem er auf ewige Zeiten ausgeliefert bleibt, oder er steckt, Fischauge hin oder her, im Mahlstrom fest.

Heimisch ist der Dreifisch (im Unterschied zum Heifisch) im pommerschen Freestland, wo er sich bevorzugt auf Fischerteppichen und Altartüchern aufhält. In den Blütezeiten der Teppichfischerei wurde er in extra angefertigten Fischkisten gehalten. Vereinzelt existieren Versteinerungen.

Dreifisch in Sankt Michael, Krummin

_

Die 32-Zentimeter-Klasse

21. März 2010

Auch HELdfEN verwenden zuweilen Jute statt Plastik. Und sind sich nicht zu gut für die 32-Zentimeter-Klasse.

„Butter bei die Fischlein, Mäuse in die Rettungsschifflein!“

© Tim Mälzer / DGzRS

So oder zumindest so ähnlich hat es Tim Mälzer ausgedrückt. So ähnlich, weil er seine Botschaft zur Hälfte als Zeichnung äußerte. Das lässt sich leicht lesen, so oder so, und die Mäuse steuere ich bei. Und warum Tim Mälzer? Weil Hamburgs Lieblingssohn Jan Fedder ihn als DGzRS-Bootschafter 2010 vorgeschlagen hat.

So ein Rettungsschiffchen kann jeder aufstellen, der über einen öffentlich zugänglichen Ort gebietet. Eine kleine Anfrage genügt, und schon ist die kleinste Bootsklasse der Seenotretter gechartert. Im letzten Jahr wurde annähernd eine Million Euro in die 32-Zentimeter-Klasse investiert. Von unbekannt. Zum Glück. Denn die DGzRS braucht jede Unterstützung. Das geht natürlich auf vielerlei Wegen. Beliebt ist zum Beispiel auch das Vererben größerer Vermögen, was dann allerdings zeitversetzt und im Allgemeinen nicht anonym vonstatten geht.

Mein Kerl ist übrigens Fördermitglied geworden, als ich heil von einem Törn im englischen Kanal zurückkam, der der Crew so ziemlich alles abverlangt hatte, während er zu Hause saß, besorgt die Wetterberichte verfolgte und sich damit tröstete, dass es Seenotretter gibt.

Auch wenn sie manchmal unter dem Ansturm der Elemente fast verschwinden. Umso tröstlicher ihr Claim: „Hauptsache, wir finden Sie“.

_

Tochterboot, das.

Das Tochterboot braucht einen neuen Typ. Das hat die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger festgestellt. Ob es auch einen will, wurde es nicht gefragt. Auf jeden Fall bekommt es einen und auf jeden Fall einen Selbstaufrichter. Der wird aber erst noch getestet, im schottischen Sommer.

Woher ich das weiß? Gestern lag das DGzRS-Jahrbuch 2010 im Briefkasten. Dazu muss ich sagen, das Jahrbuch 2010 ist ein Buch, in dem das Jahr 2009 verzeichnet ist – mit all den Einsätzen der Seenotrettungskreuzer und ihrer Tochterboote. Zum Beispiel lief am 2. Juni 2009 die Sassnitzer Wilhelm Kaisen aus, um einem Hilferuf der (euch, liebe Leser, inzwischen allseits bekannten) Amphitrite zu folgen. Helene, das Tochterboot der Wilhelm Kaisen, ging längsseits und barg einen nach einem Sturz schwerverletzten Segler ab.


Amphitrite ruft, Helene hilft. © DGzRS

Sie heißen Erika, Margarethe, Verena, Elsa, Adele, Emmi oder auch schon mal Biene oder Butscher oder Vegesack. Sie reisen im Bauch ihres Mutterschiffs und werden ausgespuckt, wenn es hart auf hart kommt.

Wenn die Brandungszone im Seegatt zwischen zwei ostfriesischen Inseln zum Hexenkessel wird oder Regenfronten über die Ostsee ziehen, wenn Windsee und Dünung gegeneinanderlaufen und Kreuzseen aufwerfen, wenn sich meterhohe Wellen über einem Flach brechen und auflandiger Wind mit Legerwall droht, wenn ein Schiffbrüchiger in der kalten See treibt und die Nacht hereinbricht, wenn die Maschine ausfällt, der Mast bricht, eine See einsteigt, wenn alle außer den Ratten das sinkende Schiff verlassen, wenn die Handbreit Wasser unterm Kiel nur noch ein frommer Wunsch ist, wenn das Leck allen Bordmitteln trotzt oder der Sturm das Feuer anfacht … immer dann schlägt die Stunde der Seenotretter, der Freiwilligen mit ihren bärenstarken Schiffen und deren Tochterbooten.

Denn oft wären sie nichts ohne ihre Töchter, die Seenotkreuzer. Es bliebe nur, aus der Ferne zuzusehen, wie das Unheil seinen Lauf nimmt. Die Tochterboote aber, zierlich, wendig, stark, schnell und vor allem mit wenig Tiefgang, die können ran an den Speck.

_

Wandelstern, der.

Vielleicht auch auf dem Mars, vielleicht auch hinterm Mond, eins aber ist sicher: Wir leben auf einem Wandelstern.

_

Bürgerablage, die

Da dacht ich mir, schreib ich mal einen ganz kurzen Artikel, einen in einem einzigen Satz: Die Bürgerablage ist eine Badestelle an der Oberhavel.

Mehr braucht’s eigentlich nicht, dachte ich. Denn, wie schön der Name ist, kann jeder selber lesen; dass die Wasserqualität im letzten Jahr gut war, interessiert heuer vermutlich eh keinen mehr, Anfang Februar schon gar nicht; und wie man hinkommt, sieht man auf der Website der DLRG. Und da sieht man dann auch gleich, dass es eine Wasserrettung gibt an der Bürgerablage.

Jetzt hab ich aber dummerweise zu lesen angefangen bei der DLRG, und gleich auch noch beim Wasserrettungsdienst des Arbeitersamariterbundes. Die sind nämlich beide für die Bürgerablage zuständig und mussten sich seit 1956 eine Bretterbude teilen, mit einer Querwand in der Mitte. Hälftige Teilung.

Die Grenze war übrigens auch gleich daneben, nur ein paar Schritte nach Norden. Die Grenze zum Osten mein ich. Jetzt ist es ja nur noch die zu Brandenburg.

Ich bin mir jetzt wirklich nicht sicher, ob sie sich vertragen haben, die von der DLRG und die vom ASB. Auf jeden Fall haben sie dieselbe Telefonnummer: 335 44 88. Aber auf den Fotos von den einen sind die anderen nicht mit drauf. Und wie das heute ist, weiß ich auch nicht genau. Ob die einen zum Beispiel den 16 Fuß-Crestliner mit dem 135 PS-Inborder von den anderen fahren dürfen? Im Notfall? Wenn ein Schwimmer angerufen hat! Oder ein havariertes Segelboot (Rufzeichen: Pelikan 36, nicht mehr wie früher Adler 36)!

Aber die einen untereinander haben sich wohl schon vertragen, wenn man dem Chronisten glauben darf: „… als Heiratsschmiede hat sich die WRS Bürgerablage von jeher bewährt. Ende der 50er Jahre waren die Kameraden Horst Baum und Inge Fels die Ersten, die sich auf der Station kennenlernten und heirateten. Seitdem haben sie eine ganze Anzahl von Nachfolgern gefunden.“ Herzlichen Glückwunsch!

Unbedingt empfohlen die Website!

Was mich mal wieder besonders reizt an diesem Ort (das kann ich ja jetzt auch noch hinzuschreiben, wo es schon nicht bei dem einen Satz geblieben ist): In unmittelbarer Nähe rumpeln die Förderbänder und schütten Kohle ins Kraftwerk Oberhavel.

PS: Tja, ich war ne Weile nicht in der Stadt: Jetzt rumpeln da nur noch die Abrissbirnen.

PPS: First there is a mountain, then there is no mountain, then there is … a Caterpillar … Alles weg, kein Kraftwerk mehr.

PPPS: Dieser Text ist ursprünglich für Qype geschrieben und dort seit dem 7. Februar 2007 zu lesen.

_

der Heringspaternoster, ein System.

Was der Dohnenstrich auf dem Boden bzw. in luftiger Höhe, ist der Heringspaternoster im Wasser. Weniger spektakulär als der Dorschknaller lockt der Heringspaternoster mit perlmuttfarben changierendem Glanz z.B. den zarten Stint – der Makrelenpaternoster die fette Makrele … und so weiter.

Wie die meisten Angelbedarfsobjekte ist er ein hübsches, doch – auch mittelbar – gefährliches Gerät. (Wer schon einmal versucht hat, einer jammernd am Kai herumstreunenden Katze den Haken aus dem Mundwinkel zu entfernen, wird wissen, dass er umgehend selbst ärztlicher Betreuung bedarf.)

Meist fünf mit Springerarmen an der Hauptleine befestigte Kreishaken schwingen über einem Heringsblei, das vertikale Stabilität schafft. Wahlweise mit echter Fischhaut oder Fischhautimitation versehen und mit Goldhaken, Glitzerfliegen oder Fluoperlen ausgestattet, manchmal Krillkrebschen nachgebildet, manchmal Insekten, manchmal flügel-, manchmal pfeilförmig ausgeführt, hat er immer bunte Anteile und häufig diesen unwiderstehlichen Perlmuttschimmer. Enthusiasten binden sich ihre Paternoster selbst. Nicht jedoch solche Heringsvorfachexperten, die, wie folgender Erfahrungsbericht bezeugt, vollauf mit ihren käuflich erworbenen Paternostern zufrieden sind: „Die Haken sind schön klein und scharf und greifen daher auch in den Mäulern von etwas scheueren Fischen noch sehr gut.“

Statt den unzähligen zum Laichen flußaufstrebenden Fischen bei ihrem kräftezehrenden Unterfangen behilflich zu sein (zu lernen wäre von den Paternostern in einzelnen Berliner Finanzämtern), nutzt hier der Paternosterbesitzer schamlos seine Macht aus. Mit Glück hängt dann an jedem der fünf Haken ein lecker Fischlein.

Private Randnotiz: Nie habe ich gewagt, die ganze Runde Paternoster zu fahren, oben rum und unten rum. Die Zeit wird knapp, ehe sie ganz aussterben.

_

Benvenuto. Hier ist er. Endlich. Endlich auch anders unterwegs.

Gesichtet in einem Kahn namens Nil auf reißendem Strom, nein, eher Meer: der Osobłoga Hotzenplotz.

Große Freude, Neugier: Hotz*pots!

Eisweiden, die.

Futterplätze des antarktischen Krills, seinerseits bekannt als lumineszierendes Bartenwalfutter. Nicht zu verwechseln mit den zuweilen verschneite Landschaften bevölkernden Eisweiden, die ähnlich Eislinden und Eisbirken geignet sind, das menschliche Auge ebenso zu verzaubern, wie es der Meeresschnee unter den grünen Eisalgenrasen des südlichen Ozeans vermag.

Auf der Unterseite von Packeis (und Schelfeis?) haben in großer Zahl Eisalgen ihre Wohnung genommen, eine unwiderstehliche Verlockung für den Krill, der flugs und in Schwärmen herbeieilt, die grünen Wiesen abzuweiden. Offenbar ist der Tisch so reich gedeckt, dass den Krillkrebschen vor lauter Gier einiges aus dem Maul fällt und in Form von Spit balls zum Meeresboden sinkt. Um ehrlich zu sein, besteht dieser Partikelregen zu einem Gutteil aus Fecal strings, ganz-, halb- und unverdauten Bröckchen, die das unterseeische Schneetreiben zu einem unübersehbar dichten machen.

Rieselnde Meeresschneeflocken sind also kein Witz noch entstehen sie von Zauberhand. Sie sind schlicht überschießendem zooplanktonischem Stoffwechsel geschuldet und Werk des gemeinen Krills, gewissermaßen Krümel vom Tisch der titelgebenden Eisweiden.

_

Das Wort für heute: Krill

3. Februar 2010

Krill.

Geziefer, Vertikalwanderer, Leuchtfutter; schwebt, leuchtet und nährt. Im Zweifelsfalle Kannibale.

Krill liebt extreme Gegenden, umkreist den Südpol im kalten Ringozean oder dreht sich vor den Lofoten im Moskenstraumen, dem stärksten Mahlstrom der Welt.

Wer Krill frisst und wen Krill frisst, ist manchmal ein und dasselbe. Eindeutig ist die Fressrichtung bei den Bartenwalen hier und den Kieselalgen dort. Auch Eisalgen schlagen eher nicht zurück.

Ansonsten gehören an diverse Stellen der Nahrungskette Hüpferlinge, Flohkrebse, Ruderfußkrebse, juvenile Kalmare, Flügelschnecken, Salpen, Ringelwürmer und Medusen, Nauplien und Ostracoden, Fischlarven sowie die von Stachelhäutern, Würmern und Mollusken, Pinguin, Robbe, Blauwal, Finnwal, Buckelwal, Minkwal und Grauwal, nicht aber deren Läuse und Pocken, dafür aber Rochen, Eisfisch, Mondfisch und der geliebte Albatros, über dessen landseitige Unbeholfenheit wir gnädig den Mantel des Schweigens breiten.

_

Kirchenschiff, das.

„Lobe den Herren, den mächtigen Herrscher der Meere“ singt der Bremerhavener Seemannschor in der Sonderfertigungshalle der Lloyd-Werft, gelegentlich aber auch der eine oder andere Berlin-Brandenburgische Binnenschiffer.

Die Schifferkirche im Westhafen ist nicht mehr, eine Kapelle zwischen ehemaligem Getreidespeicher und Unitanks ist an ihre Stelle getreten. Allerdings gibt es noch den Luxus einer schwimmenden Schifferkirche. Immer mittwochs steht Fedor Pfistner am Ruder seiner Arche Nova, besucht Kähne und Schieber, Tank-, Arbeits- und Ausflugsschiffe und tauft, traut, singt, predigt und lobpreist, tröstet und berät, wie es gerade kommt.

Aufsuchende Arbeit im Kirchenschiff nennt man das.

_

%d Bloggern gefällt das: