Soli Deo Gloria

17. August 2009

Erstes RIAS Kammerchor Forum-Konzert am 18. Oktober 2008 in der Dorfkirche Alt-Reinickendorf

Schon der Ort ist ein Juwel: die mittelalterliche Dorfkirche Alt-Reinickendorf gehört zu den ältesten Gebäuden der Stadt und ist bezaubernd, auch nach diversen Änderungen und Restaurierungen bis ins letzte Jahrhundert. Das aber, womit das erste Forumkonzert der Freunde des RIAS-Kammerchors diesen intimen Raum füllt, kann den geneigten Hörer nur glücklich machen. Genial zusammengestellt und unvergleichlich wunderbar dargeboten von einer Altistin, einem Vokalquartett aus SängerInnen des RIAS Kammerchors und den jungen Frauen des Caspadé-Streichquartetts.

Von zwei Bachchorälen gerahmt, lässt Hildegard Wiedemann Kagels “Rezitativarie für singende Cembalistin” erstrahlen. “Hast du Gott. So hat’s nicht Noth”, bemüht sie sich dem Auditorium zu versichern. Ob wir ihr das jedoch glauben wollen? Herrjeh, Mauricio Kagel hilft nicht wirklich dabei. Seinem Andenken – vor zwei Monaten ist er gestorben – haben die Künstler das Konzert gewidmet. Sie berufen sich auf ihn. “Wer jahrzehntelang tagein, tagaus religiöse Musik in zahlreichen Konzerten zelebriert, wenn auch häufiger in Konzertsälen als in Kirchen, kann zu einer Einstellung gelangen, die Mauricio Kagel im Motto zu seiner “St. Bach Passion” so bezeichnet: ‚An Gott verzweifeln, an Bach glauben.’”

Auch der zweite, größere, Komplex ist verschnitten. Im Zentrum steht Werner Egks “La tentation de Saint Antoine d’après des airs et des vers du 18ième siècle”, selbst schon doppelt in seinem Bezug auf das 18. Jahrhundert. Dazwischengesetzt die hochkomplexe Polyphonie der “Missa Ave Regina Coelorum” von Guillaume Dufay aus dem 15. Jahrhundert. Als Unterstützung gewissermaßen für den in seinem Bett von tausend Teufeln heimgesuchten heiligen Antonius.

“Sur un sopha
Une diablesse en falbala,
Aux regards fripons
Découvroit deux jolis monts
Ronds.”

Was tun, um solchen Versuchungen zu widerstehen, wenn nicht Sanctus und Hosianna singen?

Hildegard Wiedemann, verschwörerisch-verführerisch, hat die Abwege und Kämpfe des Heiligen Antonius uneingeschränkt glaubhaft gemacht. Die Klänge der Streicher waren irisierend, beunruhigend und gingen unter die Haut. Das Gute hat mindestens vierstimmig gesiegt.

Und alles zusammen war ein Höchstgenuss.

Soli Deo Gloria! Vokalmusik im Spannungsfeld von Routine, Glaubensruhe und Ekstase. Ein Konzert des RIAS Kammerchor Forums e.V., Mauricio Kagel gewidmet.

Mit Hildegard Wiedemann (Alt), dem Caspadé-Streichquartett und dem Vokalquartett: Stephanie Petitlaurent (Sopran), Susanne Langner (Alt), Christian Mücke (Tenor) und Johannes Schendel (Bass).

Die Konzertreihe wurde veranstaltet vom RIAS Kammerchor Forum e.V., das, mit René Jacobs als Ehrenvorsitzendem, im Jahr 2001 zur Unterstützung des RIAS Kammerchors gegründet wurde. Unter dem Motto “Einklang und Widerhall” sollten die vier Forumskonzerte in Berliner Dorfkirchen Architektur und Musik in Dialog bringen, um das 60-jährige Bestehen des RIAS Kammerchors zu feiern, und es ist ihnen perfekt gelungen.

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