der Dohnenstrich; schockweise auftretende, aneinandergereihte Krammetsvogelfallen.

Und wieder einmal bin ich vom Hölzchen aufs Stöckchen gekommen. Mir ging die Frage nicht aus dem Kopf, wer sich wohl hinstellen mag, die Wacholderdrosseln zu erdrosseln, damit sie besser schmecken. Jetzt weiß ich es: die Dohnen.

Ein Zufallsfund brachte mir diese Erkenntnis, samt Bauanleitung besagter Vogelfallen, und als eine weitere die, dass Krammetsvögel nicht zwangsläufig Wacholderdrosseln sind, sondern alle, die sich in Dohnen fangen lassen, und zwar im Herbst. (Vielleicht kommt ja das Krammet in den Vögeln doch nicht vom Wacholder, sondern von der zweiten bis letzten Heuernte, die zumindest in Bayern Grummet/Krummet/Krammet heißt. Denn die Zeit für den zweiten Schnitt ist auch die Zeit, um auf den Dohnenstrich zu gehen.)

Ehe der Dohnenstrich sich von selbst erklärt, ein Wort zu den Dohnen: Kurz und knapp liest man dank zeno.org in Meyers Großem Konversations-Lexikon von 1906: „Dohnen sind Schlingen aus Pferdehaaren, die zum Fang von Vögeln in gebogenen Bügeln befestigt sind.“ Das schönste Bild gibt’s im Brockhaus Bilder-Conversations-Lexikon von 1836. Und die anschaulichste Beschreibung findet sich in Pierer’s Universal-Lexikon aus Altenburg von 1858, der Lieblingsquelle in Vogelfragen. Hier erfahre ich auch, dass der Dohnenfang „gewöhnlich von Jacobi bis Martini“ dauert.

Eines ist unumstritten bei den Sachkundigen: Gehst du auf den Dohnenstrich, vergiss die Ebereschenbeeren nicht! Obwohl Krammetsvögel auch Weintrauben, Wacholderbeeren und so allerhand mehr aus Gottes weiter Natur picken, ist der verbürgte Köder, vermutlich ob seines Lockpotentials, die schöne rote Vogelbeere.

Da kommt mir ein finsterer Gedanke. Ob das „Dohnagestell“ zwischen Rehbergen und Plötzensee wohl gar einst ein Dohnenstrich war?

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