Menzi Muck

27. Juni 2013

Qype (einst geliebt und schon lange verlassen) ist an Yelp verkauft worden, und ich gehe davon aus, dass über kurz oder lang die Beiträge, die keinen unmittelbaren Nutzen haben, gelöscht werden. Ich habe also meine Beiträge nach Hause geholt und werde sie nach und nach hier bei evenaar … trifft längengrad veröffentlichen.

Mit Taraaa stelle ich vor: Menzi Muck, den eidgenössischen Schreitbagger. Entdeckt in Kleinglienicke und nur durch einen Graben, der behauptet, ein Fluss zu sein, von den Südberliner Schweizerhäusern getrennt.

Geschrieben ist sein Porträt am 20.9.2007.

Menzi-Muck A80 an der Bäke

Menzi-Muck A80 an der Bäke

Offenbar steh ich auf kernig und Kerl: Seit Donovan (nein, ich bin kein Donovan-Fan) liebe ich Caterpillars, allen voran den Kettendozer. Und seit mich ein Liebhaber eines Tages damit von der Scharoun’schen Staatsbibliothek abgeholt hat, liebe ich den Unimog.

Vor ein paar Tagen hätte ich noch behauptet, ich bleibe ihnen ewig treu, dem Caterpillar und dem Unimog. Das aber war, bevor Menzi Muck in mein Leben trat.

Menzi-Muck A80 an der Bäke

Menzi Muck ist unvergleichlich! Gelb mit ein paar roten Glanzpunkten stand er plötzlich vor mir, und ich erstarrte. Ich bin immer noch ganz aus dem Häuschen: eine Schönheit! Ein Wunder an Flexibilität sein Fahrwerk, ein Ausbund an Originalität der ganze Kerl. Er hat eine bemerkenswerte Kraft, und doch bewegt er sich wie eine Gemse. Der König unter den Schreitbaggern.

Man muss ihn lieben, ich spreche hier vom A81, mit seinem John-Deere-Dieselmotor und seiner Vorliebe für biologisch abbaubare Panolin-Schmierstoffe, mit seinem tiefen Profil, seinen unzähligen Gelenken und seinen Stahlpratzen. Pratzen? Ja, Pratzen, Klauen, mit vier oder sechs Spitzen! Damit klammert er sich locker an jeden Hang. 45 Grad Steigung? Für Menzi Muck kein Problem! „Ob im alltäglichen Einsatz, am Steilhang bis 100 %, in Wassertiefen bis 4,5 Meter oder im tiefen Morast, ob in den Bergen oder am Meeresgrund: dem Menzi Muck sind kaum Grenzen gesetzt.“

Menzi-Muck A80 an der Bäke

Die Böschung sieht zwar nicht mehr ganz so schick aus, wenn Menzi Muck darübergestiefelt ist, aber in diesem Fall kommt kein Mucks der Beschwerde über meine Lippen. Mit der Zeit werden die Wunden verschorfen und die Narben heilen. Ihr werdet sehen, in einem Jahr ist das Bäkeufer wieder grün, nicht mehr so wildromantisch vielleicht wie vorher, aber wer braucht das schon?

Menzi-Muck A80 an der Bäke

Gestern abend, in der Trattoria Toscana, hab ich ein paar schnucklige Jungs kennengelernt. Zu spät! Vielleicht haben sie eine Chance, wenn sie sich zum Fahrerkurs im Menzi-Muck-Fahrerclub anmelden, um das Klettern längs und quer zum Hang zu üben. „Menzi-Fahrer zu sein, bedeutet sich wie ein König zu fühlen.“ Das wird der Ausstrahlung zuträglich sein. „Menzi Muck. Und alles ist möglich.“

Menzi-Muck A80 an der Bäke

Wer also einen Bagger braucht, und sei es ein Unterwasserbagger, wende sich vertrauensvoll an den einzigen schweizerischen Baggerhersteller weltweit: Menzi Muck. Und so hat alles begonnen im Jahre 1966: „Ernst Menzi lieferte Josef Kaiser Achsen für seine Güllenwagen, gemeinsam tüftelten sie an einem Allzweckbagger, der MUK war geboren.“ Danke Ernst Menzi! Danke Josef Kaiser!

PS. Ich bin Menzi Muck südlich von Berlin an der Bäke begegnet, einem Graben voller Entengrütze; deutsche Vertriebsstellen finden sich in Soest, Tangerhütte und Aichach; verqypt habe ich, da ich mich nicht entscheiden konnte, den Schweizer Stall, aus dem er kommt, auch wenn ich nie dort war.

Menzi-Muck A80 an der Bäke

Hergestellt wird der kleine Liebling von der Menzi Muck AG in der Auenstraße 77 in 9443 Widnau. Eine Portraitgalerie findet sich auch beim Bauforum. Wer sich z.B. für den hydraulischen Schreitfuß interessiert, bitte aufrufen! Die Knicklenkung wiederum ist nicht ganz so fotogen …

Menzi-Muck A80 an der Bäke

PPS im Juni 2013: Es sei auf Qype zurückverwiesen. Da fand ich plötzlich (jetzt erst!) Fotos von ottogang, Menzi Mucks glühendem Verehrer und größtem Fan.

PPPS: Unbedingt zu Youtube gehen und Menzi-Muck-Videos schauen!

Tomaten-Erdbeersuppe

24. Juni 2013

Die liebste Nachbarin brachte Erdbeeren vorbei, vollreif, dunkelrot, im eigenen Garten gepflückt. Da Sonntag war, also nur die sowieso vorhandenen Vorräte zur Verfügung standen, die Erdbeeren aber sofort verarbeitet werden mussten, entstanden zwei Dinge daraus: eine Grütze mit Zucker und Orangenschale und eine Tomaten-Erdbeersuppe.

Schon mal vorab: ein Traumpaar, die beiden roten Früchtchen.

Erdbeer-Tomatensuppe4

Tomatensuppe (ein Hassobjekt, als ich Kind war, aus der Tüte und mit Reis als Einlage – es schüttelt mich heute noch, wenn ich daran denke), Tomatensuppe also lässt mich nicht mehr los, seit ich bei Mutzi H. Europa eine ganz hervorragende gegessen habe. Sie war mit den Aromen von Ingwer und Staudensellerie angereichert (ohne dass sie im Einzelnen zu identifizieren gewesen wären) und schmeckte weich und rund und perfekt nach Tomate.

Warum ich aber bei Erdbeeren an Tomaten denke? Über einen Umweg. Bei Lamiacucina gab es kürzlich einen Erdbeernachtisch mit Liebstöckel, was mich sofort überzeugte. Und das wiederum erinnerte mich daran, dass ich im weiten Netz irgendwann von der Kombination Tomaten und Erdbeeren gelesen hatte. Das hatte mir zwar spontan eine Gänsehaut verursacht, hat sich aber nie wieder aus meinem Bewusstsein verabschiedet. Irgendwann stellte ich fest, dass Tomaten hin und wieder selbst ein leichtes Erdbeeraroma verströmen, und von da an wartete ich auf den richtigen Moment zum Ausprobieren. Der kam mit Frau Nachbarins Erdbeeren.

Tomaten-Erdbeersuppe

Olivenöl
1 rote Zwiebel
1 1/2 EL Tomatenmark
1 großes Stück Ingwer
1 halbe Knoblauchzehe
1 Lorbeerblatt
2 Zweiglein Thymian
1 Peperoncino
1 kleine Dose Pelati
die gleiche Volumenmenge Erdbeeren
1/2 TL Liebstöckelpaste
1/2 Teelöffel Sellerieblätterpaste
1 Prise Zucker

eventuell Salz
1 Schuss Balsamico
1 Prise Muskatblüte (Macis)
knapp 1 TL frischgemahlene Koriandersamen
Basilikum

Die Zubereitung ist simpel:

Zwiebelwürfel in Olivenöl andünsten, Tomatenmark darin ankaramellisieren, Ingwer und Knoblauch im Ganzen, Peperoncino, Lorbeer und Thymian dazu und mit den Dosentomaten aufgießen, geputzte Erdbeeren, Sellerie- und Liebstöckelkonserven und die Prise Zucker dazugeben und 20 bis 30 Minuten kochen lassen.

Erdbeeren in die Tomaten

Die Kräuter und den Ingwer herausnehmen, die Suppe mit dem Stabmixer pürieren. Wer mehr vom Ingwer schmecken will, kann ihn wieder dazugeben und noch eine Weile in der Suppe ziehen lassen.

Abgeschmeckt wird mit einem kleinen Schuss Balsamico, mit einer Prise gemahlener Muskatblüte und mit frischgemahlenen Koriandersamen, eventuell Salz, und vollendet mit ein paar Spritzern Olivenöl und Basilikumblättchen. Schwarzen Pfeffer in der Mühle auf den Tisch zu stellen, ist nie falsch.

Obwohl ich in einem Anfall von Überschwang Tomaten und Erdbeeren eins zu eins eingesetzt habe, bleiben die Erdbeereen äußerst dezent. Wer es nicht weiß, kommt kaum auf die Idee, und wenn, dann eher vom Duft als vom Geschmack. Sie tragen ein bisschen unaggressive Säure bei (die durch Muskat und Koriander wieder zurückgenommen wird), verhelfen aber den Tomaten mit ihrer Fruchtigkeit zu mehr Tiefe und Fülle. Überzeugend, die Verbindung.

Auf jeden Fall werde ich ausprobieren, ein paar Erdbeeren zum nächsten Tomatensugo zu geben oder, wenn die Zeit vorbei ist, einen Löffel Erdbeermarmelade.

NB: Die Kombination Tomaten und Koriander habe ich von Azestoru gelernt. Sie ist großartig – um den bei Missboulette gefundenen Ausdruck zu verwenden: a match made in heaven. Und mit Brot aufgewachsen, auf dessen Kruste immer Koriander zu finden war, ist der Geschmack von Koriander für mich wie nach Hause kommen – wobei er in der Tomatensauce oder -suppe seine Eigenständigkeit aufgibt, um verwandelt und einverleibt zur Perfektion des Ganzen beizutragen.

Erdbeerglas

Bratreis

23. Juni 2013

Missboulette hatte mich sofort mit ihrem wunderbaren Beitrag über die perfekten Verbindungen. Gleichzeitig habe ich gelernt, dass es in Korea eine poetische Bezeichnung dafür gibt,  Cheonsaeng Yeonbun. Und mit dessen Übersetzung ist mir Wortsüchtigen ein neuer Begriff zugefallen: match made in heaven.

Sie schreibt über das Einfache, über entscheidende Details, über die Tradierung von Rezepten und über „Ehre, wem Ehre gebührt“. Herauskommt unter anderem das Rezept für einen Restereis, dem nicht weniger Perfektion zuteil werden soll als anderen, edleren Gerichten.

reisschüsselchen

Dieser Fried rice ist edel. Leicht und rund und voll, mit Geschmacksspitzen in die verschiedensten Richtungen. Ins Süße von den Zwiebeln, ins Salzige von der Sojasauce, ins Pikante vom Gochugaru, ins Bittere vom gerösteten Knoblauch und Ingwer (der seine Schärfe fast ganz verliert), ins Nussige vom Sesamöl, und alles zusammengebunden von halbflüssigem Ei.

Zutaten fried rice

Das Gericht heißt Ginger Scallion Fried Rice nach Jean-Georges Vongerichten und steht mitsamt Hinweisen zu seiner Rezeptionsgeschichte ausführlich bei missboulette. Ich wiederhole es trotzdem, heruntergerechnet auf zwei Personen und nur aus Not minimal verändert. Ich habe nichts verbessert, nichts dazuerfunden, es einfach brav nachgekocht.

Bratreis koreanisch

Hauptdarsteller:
kalter Reis von gestern, zwei Portionen

Nebendarsteller, Statisten und Helfer:
neutrales Öl, soviel es braucht
Knoblauch, 1 große Zehe
Ingwer, ca. 2 cm bei 2 cm Durchmesser
Zwiebeln, 2 kleine (als Ersatz für Lauch, Schnittlauch …)
Salz, wenig
Eier, 2, als sanfte Spiegeleier
Sesamöl von geröstetem Sesam, 1 EL
Sojasauce, 1 EL
Gochugaru, 1/2 TL

Ich hatte ungefähr zwei Portionen Tilda-Reis vom Tag zuvor übrig (leider keinen runden und schon gar keinen koreanischen; das „leider“ bezieht sich nicht auf Tilda-Reis, den liebe ich, sondern auf seine Verwendung in diesem Rezept.)

kalter Reis

Als erstes habe ich Stifte von jungem, saftigem Knoblauch in neutralem Sonnenblumenöl angebraten und kurz darauf feingewürfelten Ingwer dazugegeben. Als beides knusprig war, ziemlich hell noch, aber knusprig, kam es aus der Pfanne und durfte warten.

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(Ich war versucht, eine Nuss Butter zum Öl zu geben, konnte mich aber beherrschen, da am Schluss noch mit Sesamöl gewürzt wird, und das sollte keine Konkurrenz bekommen. Außerdem, drei Sorten Fett sind mindestens eine zu viel.)

Im Bratöl dünstete ich zwei kleine in Streifen geschnittene blonde Zwiebeln (weder Frühlingszwiebeln noch Lauch noch ähnliches war im Haus, nicht mal Schalotten, und auf die roten, die ein bisschen in Lauchrichtung gehen, habe ich wegen ihrer Färbefreudigkeit verzichtet). Getreu der Anleitung schob ich sie brav zur Seite, rundherum an den Rand, und briet den gestrigen Reis in der Mitte der Pfanne, bis er zerfallen war, und noch ein paar Minuten länger.

Reis braten

Nebenan lagen zwei Eier mit wenig Öl (noch einmal widerstand ich der Versuchung, Butter zu nehmen) und bei ganz milder Hitze in der Pfanne. Während die Zwiebeln neben dem Reis von unten langsam hellbraun wurden, blieben die Eier ohne jede Farbe, das Eiweiß knapp durchgegart, das Eigelb flüssig.

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In einem Gläschen verrührte ich einen Esslöffel Sojasauce und einen Esslöffel dunkles Sesamöl mit einem kleinen Teelöffel Gochugaru.

Das waren die (schnellen) Vorbereitungen.

Auch das Zusammenbauen geht schnell: Reis und Zwiebeln in ein Schälchen geben, die Würzflüssigkeit darüberträufeln, knusprigen Knoblauch und Ingwer darüberstreuen, mit dem Ei krönen.

fried rice

Vor dem Essen alles verrühren.

fried rice verrührt

Und mit Gochugaru bestreuen.

fried rice the end

Eigentlich ist es lächerlich, das alles noch einmal aufzuschreiben, außer dass ich es mir so ein für allemal gemerkt habe. Es gibt kaum Unterschiede zu missboulettes Rezept, außer den Zwiebeln und vielleicht, dass ich sie durchgarte und nicht ganz weiß ließ. Und das leicht veränderte Verhältnis von Sojasauce zu Sesamöl. Und das Fehlen von Sesamsamen. Und natürlich der statt in Hälften in Stifte geschnittene Knoblauch. Das würde ich übrigens wieder tun, allerdings würde ich Ingwer und Knoblauch etwas kürzer rösten, um ein bisschen weniger Bitternis zu haben.

Fitzelkram. Pedantengedanken. Beim Kochen sind sie oft notwendig. Man stelle sich vor: eine Hollandaise, zwei Grad zu heiß geworden, ein flüssiges Schokoladenküchlein zwei Minuten zu lange gebacken, eine Beurre blanc ohne das Quentchen Essig …

Lieber in die Details gehen. Und wer gut improvisiert, ist entweder ein Naturtalent oder kann es auf der Grundlage von viel Erfahrung.

Spundekäs

22. Juni 2013

Sicher nicht das hessische Original, aber wunderbar cremig und sanft gewürzt. Er schmeichelt dem Gaumen und piekst ein klein wenig auf der Zunge.

Spundekäs

Ich verwendete die Milchprodukte, die gerade da waren. Da es nicht die ganz fetten Varianten waren, und Spundekäs von je mehr Fett umso geschmeidiger wird, rührte ich noch etwas bei Zimmertemperatur weich gewordene Butter unter.

250 g Schichtkäse 20 %
200 g Schmand 24 %
3 Esslöffel Sahne 30 % (der Rest aus dem Becher)
1 Esslöffel weiche Butter

1 kleine Zwiebel in feinen Würfelchen
1/2 Knoblauchzehe in noch feineren Würfelchen
Salz nach Belieben
1 gehäufter Teelöffel Paprikapulver
(aus geheimen ungarischen Quellen, durch nichts zu ersetzen)
1/4 Teelöffel gemahlener Kümmel
1 gestrichener Teelöffel Dijonsenf

Das Geheimnis ist, die Masse lange, lange zu rühren, dass sie ganz geschmeidig wird. Ich habe Zwiebelwürfel untergerührt, statt Zwiebeln dazuzureichen. Das gibt etwas Biss im Samt der Creme. (Und diesmal kein Gochugaru.)

Jetzt schnell noch Äppelwoi bei Töpper holen und, wenn der Spundekäs gut durchgezogen ist (besser nicht nur ein paar Stunden, sondern bis morgen Mittag), die Gran-Pavesi-Cracker auf den Tisch und das Lieblingsbrot.

Vieleicht passen auch die ungarischen weißen Paprika dazu, in Streifen geschnitten zum Dippen. Jetzt fällt mir auch ein, warum mir das einfällt. Das bekamen wir bei Arpáds Mutter am Balaton: weiße Paprika mit rosa angemachtem Túró (Topfen) gefüllt – der war allerdings viel fester in der Konsistenz.

 

Spundekäs 2

Verbenenessig

20. Juni 2013

Meine Cedrina blüht.

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Ich hatte sie lange gesucht. Meine Freundin aus Bitonto behautet, der Busch, der hinter dem Steinmäuerchen in ihrem Orangenhain wächst, sei hundert Jahre alt und sein Geruch vertreibe die Mücken. Das mag ich nicht bestätigen, aber in den Duft der Cedrina habe ich mich sofort verliebt.

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In den Taschen jedes Kleidungsstücks, das Taschen hatte, zerbröselten nach und nach die abgerupften Blätter.

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Irgendwann fand ich die Pflanze in einem Baumarkt, sie wurde als Citronella verkauft, war aber eindeutig die vielgeliebte Cedrina. Sie nennt sich auch Limoncina oder Erba luigia oder Verbena odorosa. Oder Verveine, Zitronenverbene, Zitronenstrauch, wohlriechendes Eisenkraut oder, botanisch, Aloysia citriodora oder triphylla.

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Zwei Pflanzen bringe ich jetzt schon fünf Jahre über die Jahreszeiten. Im Herbst schneide ich sie radikal zurück, stelle sie frostgeschützt ins kühle, dämmrige Treppenhaus und bin jedes Jahr wieder überrascht, dass die abgestorben anmutenden Ästchen austreiben, in der typischen Dreiblattanordnung. Vor allen anderen erwachen sie wieder zum Leben.

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Bisher habe ich Obstsalat mit ihren Blättern gewürzt, sie in grünen Salat gerupft oder zu Tee aufgegossen. Jetzt sollen sie Essig aromatisieren.

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Verbenenessig

Ich nehme die Blätter und Blüten zweier Zweiglein und lege sie in sechsprozentigen Weißweinessig. Nach drei oder vier Wochen werde ich den Essig absieben.

Vielleicht kommt er irgendwann in ein Verbenensorbet.

Verbenenessig

 

Aprikosenmarmelade

19. Juni 2013

Bei 32 Grad im Schatten gibt es nichts besseres als Marmelade zu kochen. Hitze mit Hitze zu begegnen habe ich von Claus Heeschen gelernt, vor vielen Jahren in der Wohngemeinschaft in der Niebuhrstraße. Also stelle ich mich an den heißen Herd, koche Unmengen Wasser für die Gläser und Deckel und rühre im Marmeladentopf.

Aprikosenmarmelade

Die zweite Aprikosenmarmelade dieses Jahres ist aus italienischen Aprikosen, reif, aromatisch, wunderbar. Diesmal ohne Schnickschnack, pur und einfach köstlich.

2 Kilo Aprikosen waschen, sechsteln und mit
1 Kilo Gelierzucker über Nacht ziehen lassen,
Saft einer halben Zitrone dazu und
aufkochen,
mit dem Stabmixer kurz zerkleinern,
vier Minuten sprudelnd kochen lassen und
in Gläser füllen.

Details gibt’s hier.
Eine Kleinigkeit sei doch noch nachgetragen. Ich entferne die festen hellen Fädchen, die beidseits des Kerns im Fleisch kleben; je reifer die Aprikose ist, desto deutlicher machen sie sich bemerkbar.

Fürs nächste Mal habe ich mir vorgenommen, einige Aprikosenkerne mitzukochen. Irgendwo im weiten Netz fand ich diesen Tipp.

Sicher bin ich nicht, ob ich den vermutlich daraus resultierenden Bittermandelgeschmack haben will. Bei Sauerkirschmarmelade mag ich ihn, da koche ich fast immer ein paar Kerne mit.

Marmeladenzeit

17. Juni 2013

Drei Schätzchen für den Frühstückstisch: Erdbeer-Rhabarber-Marmelade, Holunderblütengelee und Aprikosenkonfitüre.

drei schätzchen

Holunderblütengelee

Holunderblüten (möglichst nicht nach Regenfällen) pflücken, soviele sich von eineinhalb Litern Flüssigkeit bedecken lassen, also viele. Nicht waschen, nicht zu sehr schütteln, denn der Blütenstaub soll ins Gelee (das dadurch zwar etwas trüb, dafür aber umso aromatischer wird). Käferchen und Fluggetier aussortieren.

Die Holunderblüten kopfüber, also stieloben, in ein Gefäß legen und Apfelsaft drübergießen. Ich nehme Saft von Streuobstwiesenäpfeln (klaren, keinen trüben – das Gelee wird trotzdem nicht klar, s.o.), ergänze mit Wasser, sollte der Saft nicht reichen, und presse eine halbe Zitrone dazu. Deckel drauf und stehen lassen. Bei mir ziehen die Blüten mindestens über Nacht, eher länger.

Am nächsten Tag die Flüssigkeit absieben und mit 500 g Gelierzucker 1:2 auf einen 3/4 Liter zum Kochen bringen. Ein bis zwei Minuten sprudelnd kochen lassen und in gut gespülte, nachgespülte, bis zum Rand mit kochendem Wasser gefüllte und erst im letzten Moment geleerte Gläser füllen. Schraubdeckel (ebenfalls überbrüht) drauf, für ein paar Minuten auf den Kopf stellen (oder auch nicht) und beschriften.

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Aprikosenkonfitüre

Gut ein Kilo Aprikosen (ich hatte griechische, die waren gar nicht so schlecht) waschen, entkernen und in Stücke schneiden, sodass 1 Kilo geputzte Früchte übrigbleiben, mit 500 g Gelierzucker 1 zu 2 über Nacht Saft ziehen lassen, 5 Himbeeren und etwas Zitronensaft dazugeben, aufkochen, 3 Minuten sprudelnd kochen lassen, eventuell mit dem Stabmixer kurz pürieren und abfüllen.
NB: Wenn ich so richtig reife und aromatische Aprikosen finde, lasse ich die Himbeeren weg.

Notiz: Den Aprikosen sieht man dummerweise nicht an, wie gut sie sind, man muss also reinbeißen. Zwar werden sie durch Zucker und Hitze wesentlich aromatischer, als sie roh vermuten lassen, doch gibt es gewaltige Unterschiede. Die Marillen aus der Wachau werden ja offenbar wirklich nicht exportiert, ich habe jedenfalls noch nie welche bekommen. Ab und zu gibt es französische, die zwar ein Vermögen kosten, aber mit Glück aromatischer sind als alles, was sonst auf Berliner Märkten zu finden ist – mit Glück, nicht immer.

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Rhabarber-und-Erdbeer-Marmelade

1 Kilo Rhabarber häuten und in Stücke schneiden, über Nacht mit 500 g Gelierzucker 1 zu 2 stehen lassen. Am nächsten Tag 1 Kilo geputzte und geviertelte Erdbeeren mit weiteren 500 g Gelierzucker eine, zwei oder drei Stunden ziehen lassen. Den Rhabarber erhitzen, Erdbeeren dazugeben, alles zusammen drei bis vier Minuten sprudelnd kochen lassen, mit einem Schluck Portwein beglücken und abfüllen.

Bei allen dreien nehme ich schon mal 10 bis 20 Prozent weniger Zucker (schließlich enthält 2-zu-1-Gelierzucker Konservierungsmittel; ja, tut er; ja, ich verwende ihn trotzdem) und gebe nach Gefühl etwas Apfelpektin (mit einem Löffel Zucker vermischt) dazu. Außerdem lasse ich mir die Prise Salz nicht ausreden.

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PS: Der Anordnung, nur Zitrusfrüchte ließen sich legitimerweise zu Marmelade verkochen, alles andere habe sich Konfitüre zu nennen, folge ich nicht (na ja, manchmal schon, wenn es feiner klingen soll). Man bedenke, dass die Marmelade von den portugiesischen Quitten kommt, deren landessprachlicher Name marmelos keine Frage über den Marmeladenursprung offen lassen dürfte! Und die Mutter aller Marmeladen soll jetzt nicht mehr Marmelade heißen dürfen? Albern.

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