Bratreis

23. Juni 2013

Missboulette hatte mich sofort mit ihrem wunderbaren Beitrag über die perfekten Verbindungen. Gleichzeitig habe ich gelernt, dass es in Korea eine poetische Bezeichnung dafür gibt,  Cheonsaeng Yeonbun. Und mit dessen Übersetzung ist mir Wortsüchtigen ein neuer Begriff zugefallen: match made in heaven.

Sie schreibt über das Einfache, über entscheidende Details, über die Tradierung von Rezepten und über „Ehre, wem Ehre gebührt“. Herauskommt unter anderem das Rezept für einen Restereis, dem nicht weniger Perfektion zuteil werden soll als anderen, edleren Gerichten.

reisschüsselchen

Dieser Fried rice ist edel. Leicht und rund und voll, mit Geschmacksspitzen in die verschiedensten Richtungen. Ins Süße von den Zwiebeln, ins Salzige von der Sojasauce, ins Pikante vom Gochugaru, ins Bittere vom gerösteten Knoblauch und Ingwer (der seine Schärfe fast ganz verliert), ins Nussige vom Sesamöl, und alles zusammengebunden von halbflüssigem Ei.

Zutaten fried rice

Das Gericht heißt Ginger Scallion Fried Rice nach Jean-Georges Vongerichten und steht mitsamt Hinweisen zu seiner Rezeptionsgeschichte ausführlich bei missboulette. Ich wiederhole es trotzdem, heruntergerechnet auf zwei Personen und nur aus Not minimal verändert. Ich habe nichts verbessert, nichts dazuerfunden, es einfach brav nachgekocht.

Bratreis koreanisch

Hauptdarsteller:
kalter Reis von gestern, zwei Portionen

Nebendarsteller, Statisten und Helfer:
neutrales Öl, soviel es braucht
Knoblauch, 1 große Zehe
Ingwer, ca. 2 cm bei 2 cm Durchmesser
Zwiebeln, 2 kleine (als Ersatz für Lauch, Schnittlauch …)
Salz, wenig
Eier, 2, als sanfte Spiegeleier
Sesamöl von geröstetem Sesam, 1 EL
Sojasauce, 1 EL
Gochugaru, 1/2 TL

Ich hatte ungefähr zwei Portionen Tilda-Reis vom Tag zuvor übrig (leider keinen runden und schon gar keinen koreanischen; das „leider“ bezieht sich nicht auf Tilda-Reis, den liebe ich, sondern auf seine Verwendung in diesem Rezept.)

kalter Reis

Als erstes habe ich Stifte von jungem, saftigem Knoblauch in neutralem Sonnenblumenöl angebraten und kurz darauf feingewürfelten Ingwer dazugegeben. Als beides knusprig war, ziemlich hell noch, aber knusprig, kam es aus der Pfanne und durfte warten.

DSCF9482

(Ich war versucht, eine Nuss Butter zum Öl zu geben, konnte mich aber beherrschen, da am Schluss noch mit Sesamöl gewürzt wird, und das sollte keine Konkurrenz bekommen. Außerdem, drei Sorten Fett sind mindestens eine zu viel.)

Im Bratöl dünstete ich zwei kleine in Streifen geschnittene blonde Zwiebeln (weder Frühlingszwiebeln noch Lauch noch ähnliches war im Haus, nicht mal Schalotten, und auf die roten, die ein bisschen in Lauchrichtung gehen, habe ich wegen ihrer Färbefreudigkeit verzichtet). Getreu der Anleitung schob ich sie brav zur Seite, rundherum an den Rand, und briet den gestrigen Reis in der Mitte der Pfanne, bis er zerfallen war, und noch ein paar Minuten länger.

Reis braten

Nebenan lagen zwei Eier mit wenig Öl (noch einmal widerstand ich der Versuchung, Butter zu nehmen) und bei ganz milder Hitze in der Pfanne. Während die Zwiebeln neben dem Reis von unten langsam hellbraun wurden, blieben die Eier ohne jede Farbe, das Eiweiß knapp durchgegart, das Eigelb flüssig.

DSCF9484

In einem Gläschen verrührte ich einen Esslöffel Sojasauce und einen Esslöffel dunkles Sesamöl mit einem kleinen Teelöffel Gochugaru.

Das waren die (schnellen) Vorbereitungen.

Auch das Zusammenbauen geht schnell: Reis und Zwiebeln in ein Schälchen geben, die Würzflüssigkeit darüberträufeln, knusprigen Knoblauch und Ingwer darüberstreuen, mit dem Ei krönen.

fried rice

Vor dem Essen alles verrühren.

fried rice verrührt

Und mit Gochugaru bestreuen.

fried rice the end

Eigentlich ist es lächerlich, das alles noch einmal aufzuschreiben, außer dass ich es mir so ein für allemal gemerkt habe. Es gibt kaum Unterschiede zu missboulettes Rezept, außer den Zwiebeln und vielleicht, dass ich sie durchgarte und nicht ganz weiß ließ. Und das leicht veränderte Verhältnis von Sojasauce zu Sesamöl. Und das Fehlen von Sesamsamen. Und natürlich der statt in Hälften in Stifte geschnittene Knoblauch. Das würde ich übrigens wieder tun, allerdings würde ich Ingwer und Knoblauch etwas kürzer rösten, um ein bisschen weniger Bitternis zu haben.

Fitzelkram. Pedantengedanken. Beim Kochen sind sie oft notwendig. Man stelle sich vor: eine Hollandaise, zwei Grad zu heiß geworden, ein flüssiges Schokoladenküchlein zwei Minuten zu lange gebacken, eine Beurre blanc ohne das Quentchen Essig …

Lieber in die Details gehen. Und wer gut improvisiert, ist entweder ein Naturtalent oder kann es auf der Grundlage von viel Erfahrung.

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