Sammelwörter, die

Sammelwörter sind Wörter, die sich zum Sammeln eignen oder die – als Sammelobjekte geeignet oder nicht – Wörtersammlern in die Hände gefallen, also gesammelt worden sind oder aber die – sie mögen sich noch so unauffällig im Sprachraum bewegen – Begehrlichkeiten von Sammlern auf sich ziehen. Das Sammelwort tritt wie die meisten Sammelobjekte mit Vorzug im Plural auf.

Einerseits sind Sammelwörter vergleichbar mit Sammeltassen: Sie werden ausgestellt, vorgeführt, hinter Glas in Vitrinen gehalten und oft selten benutzt. Andererseits sind sie, anders als Sammeltassen, nicht zum Sammeln hergestellt worden.

Sammelwörter können gewöhnlich, selten, eigen, in aller Munde, monosyllab, zusammengesetzt, einfach, kompliziert, schillernd, abgedroschen, unverständlich, viel oder selten gehört, im Aussterben begriffen oder einfach nur schön sein. Manchmal meint man sie zu kennen und stellt erstaunt fest, was sonst noch in ihnen steckt.

Oft kann das Sammelwort, einmal in eine Sammlung integriert, also musealisiert und aus seinem angestammten Gebrauch genommen, seine ursprüngliche Funktion nicht unbeschädigt beibehalten. Es kann vorkommen, dass ein Sprecher, der sich aus einer Sammelwörtersammlung bedient, stockt, will er eines von ihnen in den Mund nehmen, sich räuspert und es nicht mehr einfach so fallen lassen kann, wie es vor dieser fatalen Begegnung möglich gewesen wäre.

Die schönste Form von Wörtersammlungen findet sich neben der Sammelwörtersammlung nicht etwa in Thesauren, Lexika oder schnöden Wörterbüchern, sondern in liebevoll ausgestatteten Wortwunderkammern. Auch einzelne literarische Werke erfüllen den Anspruch exquisiter Wort- und Wörtersammlungen.

PS: Dieser Eintrag ist vorrangig all jenen gewidmet, die mit der Frage „Was sind Sammelwörter?“ auf mein Blog geraten sind und sich mangels Erklärung enttäuscht abgewandt haben.

%d Bloggern gefällt das: