Fenchel, mit Wein gebraten

5. August 2011

Fenchel liebe ich. Fenchelscheiben braten hasse ich. Jetzt hab ich die Lösung. Neulich in einem Foodblog gefunden. Wenn ich nur wüsste, in welchem. (Wenn sich wer angesprochen fühlt und es mich wissen lässt, kann ich verlinken.)

Die Lösung ist: mit Flüssigkeit braten. Doch, das geht! Fenchel in einer Mischung aus halb Flüssigkeit, halb Öl erhitzen. Wenn die Flüssigkeit verdunstet ist, ist der Fenchel schon nicht mehr so widerspenstig, und er kann im verbliebenen Öl brutzeln. Genial.

Meine Version ist maximal reduziert: keine Brühe, keine Sardellen, keine Kapern, sautierten Tomaten, Parmesanspäne: alles Dinge, die hervorragend zu gebratenem Fenchel passen. Irgendwann werde ich sie ihm auch wieder angedeihen lassen, denn ab und zu werde ich auch weiterhin die Mühe auf mich nehmen und ihn schön langwierig in Scheiben braten. Er sieht dann einfach hübscher aus. Diesmal nicht.

Ich brauche nichts außer:

1 kleines Glas Weißwein (Riesling; die Säure schadet nicht)
1 kleines Glas Olivenöl (Cima di Bitonto; schön herb)
1 Kilo Fenchel, geputzt und in Streifen geschnitten
Salz, Pfeffer aus der Mühle, Zucker

In einer tiefen beschichteten Pfanne erhitze ich die gleiche Menge Olivenöl und Weißwein, gebe den in Streifen geschnittenen Fenchel dazu und salze mit Meersalz.

Deckel drauf und ca. 15 Minuten dünsten lassen. Dann den Deckel abnehmen und warten, bis die restliche Flüssigkeit verdampft ist und die Fenchelstreifen braun werden.

Wenn nur noch Öl (und der Fenchel natürlich) in der Pfanne ist, räume ich ein Plätzchchen in der Mitte frei und streue drei Prisen Zucker auf den Topfboden, schwenke durch, pfeffere und stelle die Flamme aus. Die Resthitze reicht, um den Zucker einzubauen, ohne dass es süß wird.

Schmeckt allein, als Beilage oder, wie hier, zu Cavatelli. Der Fenchelgeschmack ist maximal konzentriert und so rund geworden, dass ich nicht einmal Parmesankäse dazu will.

 

Nachtrag: Sus, die ihre eigene Pfirsich-Party verpasst, hat das neue Thema des Garten-Koch-Events bekanntgegeben. Als hätte ich es geahnt, der August ist Fenchelmonat.

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20 Responses to “Fenchel, mit Wein gebraten”

  1. kormoranflug Says:

    Der Kormoran liebt Fenchel im Salat und Gemüse. Dein Rezept muss ich mal ausprobieren.


  2. Ach das klingt ja interessant

  3. Lakritze Says:

    So mag sogar ich Fenchel. Herrlich.

  4. Afra Evenaar Says:

    @Christian KaPunkt: Da bringst Du mich komplett in die Messlattenproblemzone. Wo ich doch beim Kochen weder mit Messbechern noch mit Gläsern abmesse noch wiege. Und Dinge ineinander umrechnen kann ich auch nicht.

    Ich nehme halt die Öl- oder Weinflasche zur Hand und kippe was in die Pfanne und denke hinterher, wenn ich es mitteilen will, zum Beispiel: Das könnte ein kleines Glas voll gewesen sein. Und ein kleines Glas ist bei mir so ungefähr ein halbes Weinglas voll, also – Geduld, jetzt geh ich rechnen – ungefähr 100 ml, 10 cl, 1/10 l, obwohl, 1/8 Liter hört sich besser an.

    Wenn es nicht reicht, kippt man noch was dazu, wenn es zuviel war, nimmt man den Deckel früher ab.

  5. lamiacucina Says:

    Der rohe Fenchel sieht so gut aus, dass ich ihn auch ohne Braten essen kann. Gibt etwas mehr zu kauen, aber mit den zweiten Zähnen ist das noch zu schaffen.

    • Afra Evenaar Says:

      Das hast Du sehr charmant gesagt: „Der rohe Fenchel sieht so gut aus …“ Ich mag ihn roh und hübsch auch, aber so zum häßlichen Entlein gebraten würde ich wer weiß was für ihn geben. :-)


  6. Ich bin auch immer auf der Suche nach guten Fenchelzubreitungen, auch wenn ich ihn meistens roh verspeise. Diese pure Zubereitung gefaellt mir besonders gut!

  7. oachkatz Says:

    Ich habe es ausprobiert (allerdings mit Kapern, weil ich auf die nicht verzichten kann, wenn sie doch schon mal so gut zu etwas passen) und in der süddeutschen Familie solche Begeisterung geerntet, dass ich an einem Tag zwei Anrufe erhielt mit der Bitte um das Rezept für sofortiges Nachkochen. Bisher eine Erfolgsmeldung, vom zweiten Versuch habe ich noch nichts gehört…Zur Flüssigkeit: bei mir war es tendenziell zu viel, ich habe den Eindruck man sollte weniger nehmen als einem zu Beginn notwendig erscheint?

    • Afra Evenaar Says:

      Das freut mich! Und: Man braucht wirklich sehr wenig Flüssigkeit, es reicht, wenn der Boden gut bedeckt ist (und auch nicht viel Öl).

  8. herzhaft Says:

    …also: wenn ich mir alle diese gesammelten Köstlichkeiten hier so ansehe, liebe Afra Evenaar, dann tut es mir (noch mehr) leid, dass ich in so einer ganz anderen Gegend lebe als die Köchin…

    Das mit dem Fenchel probiere ich bestimmt. Den herzhaften Salat den kenne ich bereits vom gemeinsamen Freund, dem Koch. Ist tatsächlich sehr empfehlenswert, die Sache mit dem Speck und dem Endiviensalat – oder Römer, wie vorgeschlagen…

    • Afra Evenaar Says:

      Wie schön, Dich hier zu finden. Ich freu mich so!

      Speck und Grünes sind schon gut, das Brot wegzulassen beim Specksalat wäre aber auch schade. ;)

  9. Sus Says:

    Ja, so könnte mir das auch gefallen; ich habe immer ein Problem damit, daß gekochter Fenchel so langweilig schmeckt.

    Liebe Grüße, Sus (hat da noch so einen Fenchel rumliegen… aber nicht mehr lange …)

  10. oachkatz Says:

    Der Fenchel mit Nudeln und Kapern ist zum Lieblingsgericht in meiner erweiterten Familie avanciert.


  11. […] Essen im Vorfeld: gebratener Fenchel auf Brot, Linseneintopf mit Kartoffeln, Paprika, Apfel und Frischkäse, und Milchreis mit Apfelmus. […]

  12. mom Says:

    Vielen Dank, super Idee. Ich habe dem Fenchel vor dem Dünsten noch drei dicke Zitronenscheiben und eine geschnittene Chili hinzugefügt und den Wein weggelassen. Der Geschmack war tatsächlich wunderbar intensiv fenchelig. *schwärm


  13. […] Essen hat gepasst, der einen mehr, dem anderen weniger: Weißbrot, Tomatensalat und gebratener Fenchel nach diesem Rezept (passt auch großartig zu Pasta) vornweg, ein Brokkoli-Lauch-Gorgonzola-Pie nach Ottolenghi […]


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